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Stammhaus Prüm an der Uferallee in Wehlen
Thema 06 / 06 — Bibliothek

DieBücherzur Mosel

Die Bände, aus denen diese Seite schöpft: von Kochs Lobschrift 1897 über Felix Meyers Wirtschaftsgeschichte 1926 und Loeb/Prittie 1972 bis zu Wilhelmus, Stahl und Pigott.

Diese Seite schöpft aus einer Bibliothek zur Geschichte der Mosel. Vier Bände sind Kapitel für Kapitel erschlossen — mit Originalzitaten und Seitenbelegen; die übrigen sind mit Steckbriefen erfasst. Drei Linien verbinden sie: eine besitzgeschichtliche von Wilhelmus über Schieder zu Meyer und Loeb, eine sozialgeschichtliche vom Schöffenbuch über Kasper-Holtkotte zu Stahl, und eine kulturgeschichtliche von Klausen zu Koch.

01Vier Bände, Kapitel für Kapitel

  1. 01Karl Heinrich KochZu Lob und Preis des Moselweines · Mainz 1897 · 56 S. · Illustrationen von Anton Lewy

    1897 steht der Moselwein auf dem Höhepunkt einer Konjunktur: Was in norddeutschen Schenken als „Kutscher“ hieß, erzielt auf den Trierer Versteigerungen Rekordpreise. Koch fragt, woher diese Mode kommt, und antwortet, sie sei verdient — weil nur an der Mosel Riesling und Schiefer zusammenfallen. Seine eigenständigste These: Die Edelfäule koste den Riesling seinen Charakter. Nüchtern notiert er daneben Parzellenzahlen, Stockpreise und die Not der kleinen Winzer. Ohne Rezension erschienen, 2022 in kommentierter englischer Übersetzung wiederentdeckt.

  2. 02Tina WilhelmusMittelalterlicher Weinbau an der Mittelmosel · Trier · 153 S.

    Zwischen dem Ende der römischen Herrschaft und der ersten sicheren Urkunde von 776/777 liegt ein Quellenschatten. Wilhelmus füllt ihn methodisch: Wo die Schriftquellen schweigen, lässt sie Archäologie, Sprachgeschichte, Archäobotanik und Dichtung gegeneinander sprechen. Der zweite Teil kartiert die Besitzer zwischen Piesport und Bernkastel-Kues bis 1300 — Erzbischof, Stifte, Klöster, Himmerod, Fernbesitzer aus Lüttich und Verdun. Ein Arbeitsinstrument, das Wochen spart.

  3. 03Hermann StahlDie Revolution von 1848/49 an der Mittelmosel · Bernkastel 1923 · 38 S.

    Eine schmale, in Fraktur gesetzte Schrift zum 75. Jahrestag der Märzrevolution, die die große deutsche Geschichte konsequent von der Mosel her erzählt. Stahl, kein Fachhistoriker, hatte Zugang zu den Gerichtsakten: Petitionen, Zeugenaussagen, die Liste der 63 Angeschuldigten. Seine These: An der Mittelmosel ging es 1848 zuerst um den Preis des Weines und erst danach um die Verfassung. Der Standpunkt ist preußisch-national; die Leseseite weist das aus.

  4. 04Stuart Pigott / Manfred LüerMosel. Weine, Winzer, Weinlandschaften

    Die Mosel sieht aus wie ein einziges Gebiet — eine optische Täuschung, sagt Pigott, die „graue Schieferbrille“. Vier Porträts entlang des Flusses (Mittelmosel, Terrassenmosel, Saar/Ruwer/Trier, Obermosel/Luxemburg — das letzte von Manfred Lüer), Winzerporträts von Prüm bis Löwenstein, Statistiken für 1905, 1979 und 2005 und die Geschichte der Qualitätsrevolution seit 1987, deren Protagonisten zunächst belächelt und dann kopiert wurden.

02Weitere Bände

  1. 05O. W. Loeb / Terence PrittieMoselle · Faber and Faber, London 1972 · 222 S.

    Die zu ihrer Zeit umfassendste englischsprachige Darstellung — geschrieben von einem Insider: Otto Loeb, Sohn des Präsidenten des Mosel-Weinhandelsverbandes, 1934 aus Trier emigriert, Gründer von O. W. Loeb in London. Zehn Kapitel von Ausonius bis zum Moselvertrag von 1956, mit einem der reichhaltigsten deutsch-englischen Weinglossare. Dokumentiert Lagen und Erzeuger unmittelbar vor dem Weingesetz von 1971. Die Geschlechtsmetaphorik („starkly male“ für Saarweine) ist zeittypisch. Die beiden historischen Kapitel — von Fearnsides Verdikt 1832 über Karl den Großen, den Stalhof, den Dreißigjährigen Krieg, Marx und die Zuckerungsdebatte bis zu Officomex 1948 — tragen weite Teile der Geschichtsseite.

  2. 06Felix MeyerWeinbau und Weinhandel an Mosel, Saar und Ruwer. Ein Rückblick auf die letzten 100 Jahre · Koblenz 1926 · 498 S.

    Die wichtigste zeitgenössische Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Moselweinbaus: Teilbau, Kelterbann, Rieslingbau, Preußenzeit, Zollverein, Winzernot der 1830er bis 1850er Jahre, Aufstieg 1857–1900, Gall und der Verschnitt, die „Mode-Wein-Phase“ der 1890er, die Krise seit 1901 — und der Weinhandel von der obrigkeitlichen Weintaxe bis zum Flaschenweinhandel. Für die Weingesetze 1879, 1892, 1901 und 1909 unverzichtbar. Das Manuskript war 1922 fertig; die Inflation verzögerte den Druck.

  3. 07Michael MatheusWeinbau zwischen Maas und Rhein in der Antike und im Mittelalter

    Der Rahmen, in dem Wilhelmus arbeitet: Weinbau als Element wirtschaftlicher und zivilisatorischer Kontinuität über die Antike hinaus — „in schwer auszulotenden Dimensionen“, die derzeit die sprachgeschichtliche Forschung am eindrucksvollsten aufzeigt.

  4. 08Wolfgang Schieder (Hrsg.)Säkularisation und Mediatisierung in den vier rheinischen Departements 1803–1813, Teil III: Saar-Departement · Boppard 1991

    Quellenedition der zu veräußernden Nationalgüter — Kanton für Kanton, Datensatz für Datensatz: Ort, Datum, Objekt, Provenienz, Pächter, Käufer, Schätz- und Kaufpreis. Für Andel etwa: 12. November 1804, Garten und Wiese, Käuferin die Herzogin von Braunschweig-Bevern. Die erste Quelle für den Übergang kirchlichen und adligen Weinbergsbesitzes in private Hand.

  5. 09Cilli Kasper-HoltkotteJuden im Aufbruch. Zur Sozialgeschichte einer Minderheit im Saar-Mosel-Raum um 1800 · Hannover 1996 · 508 S.

    Trierer Dissertation: Schutz- und Geleitsrecht, Schutzgeld und Leibzoll, die Gleichstellung von 1801, das „Décret infâme“ von 1808 und die preußische Zeit. Maßgeblich für den jüdischen Anteil am Mosel-Weinhandel — und für die Vorgeschichte des Hauses Loeb. Siehe auch juedischemosel.de.

  6. 10500 Jahre Wallfahrtskirche Klausenhrsg. von Martin Persch, Michael Embach, Peter Dohms · Mainz 2003 · 390 S.

    Klausen war im 19. Jahrhundert nach St. Matthias der zweitwichtigste Wallfahrtsort der Diözese Trier. Die Festschrift ergänzt für die geistliche Dimension, was Wilhelmus für den grundherrlichen Aspekt leistet — Klausen gehört auch zu den Orten, an denen Jodocus Prüm Spuren hinterließ (jodocus.de).

  7. 11Jörg Matthias BraunDas Schöffenbuch zu Bernkastel von 1526 bis 1682 · 27 S.

    Alphabetisches Register von rund 1530 Personen aus Bernkastel, Graach, Kues, Lieser, Zeltingen und Umgebung — ein Findmittel für die Familien- und Rechtsgeschichte der Mittelmosel zwischen Reformation und Spätbarock.

03Wie diese Seite zitiert

Zitate stammen aus dem Volltext der Bände; Seitenangaben folgen der Buchpaginierung, nicht der PDF-Zählung. Koch und Stahl sind in Fraktur gesetzt, die Texterkennung der Scans ist entsprechend fehleranfällig — Zitate wurden geglättet und gegen den Scan geprüft; wo der Wortlaut unsicher blieb, steht eine Inhaltsangabe. Wo ein Autor seinerseits eine Quelle zitiert (Wilhelmus eine Urkunde, Stahl das Bernkasteler Wochenblatt), ist das in der Quellenzeile vermerkt. Die Wertungen der Verfasser — Stahls preußischer Standpunkt, Loebs Handelsperspektive, Pigotts Urteile — werden als solche ausgewiesen, nicht übernommen.